Wenn Unternehmen ihre Website erneuern möchten, kommt sehr schnell eine praktische Frage: Auf welchem System soll die neue Website laufen?
WordPress, TYPO3, Shopify, Wix, Jimdo, Squarespace, Webflow oder ein anderes System — die Auswahl wirkt groß. In der Praxis ist sie aber oft weniger eine Geschmacksfrage als eine Frage von Inhalt, Pflege, Budget, Wachstum und technischer Verantwortung.
Nach BuiltWith ist WordPress in Deutschland mit Abstand das am häufigsten erkannte CMS. BuiltWith erkennt rund 1,94 Millionen Websites in Deutschland mit WordPress. Danach folgen mit großem Abstand Wix, TYPO3, Joomla, Strato Sitebuilder, Jimdo, Squarespace, Contao, Webflow und Drupal.
W3Techs zeigt ein ähnliches Bild für Websites mit deutscher Sprache: Unter den Websites, deren CMS bekannt ist, liegt WordPress bei 54,9 Prozent. TYPO3 kommt auf 6,7 Prozent, Shopify auf 5,7 Prozent.
Was bedeutet das für Unternehmen?
Die erste Erkenntnis ist einfach: WordPress ist im deutschen Markt der Standard für viele kleine und mittlere Unternehmenswebsites. Das liegt nicht daran, dass WordPress immer die beste Lösung ist. Es liegt daran, dass WordPress flexibel, weit verbreitet, gut dokumentiert und für sehr viele Anforderungen ausreichend ist.
Für Dienstleister, lokale Unternehmen, Kanzleien, Praxen, Schulen, Studios oder kleinere B2B-Unternehmen ist WordPress oft eine wirtschaftliche Lösung. Inhalte lassen sich gut pflegen, SEO-Grundlagen sind sauber umsetzbar, Erweiterungen sind verfügbar, und viele Dienstleister können später daran weiterarbeiten.
Die häufigsten Probleme bei WordPress entstehen aber nicht durch WordPress selbst. Sie entstehen durch schlechte Umsetzung: zu viele Plugins, veraltete Themes, langsame Page Builder, unklare Seitenstruktur, fehlende Wartung, schlechte mobile Darstellung, unsaubere Überschriften, doppelte Inhalte oder nicht gepflegte Sicherheitsupdates.
Deshalb ist bei WordPress nicht die Frage “WordPress ja oder nein” entscheidend, sondern: Wie sauber wird die Website aufgebaut?
TYPO3 spielt in Deutschland ebenfalls eine besondere Rolle. International ist TYPO3 deutlich kleiner als WordPress, im deutschsprachigen Markt ist es aber stärker sichtbar. TYPO3 wird häufig bei größeren Organisationen, öffentlichen Einrichtungen, Verbänden, Hochschulen, Mittelstand und komplexeren mehrsprachigen Websites eingesetzt.
Der Vorteil von TYPO3 liegt in Struktur, Rechteverwaltung, Mehrsprachigkeit und langfristiger redaktioneller Organisation. Der Nachteil: TYPO3 ist für kleine Websites oft zu schwergewichtig. Entwicklung, Pflege und Änderungen sind meist teurer und weniger spontan als bei einfacheren Systemen.
Website-Builder wie Wix, Jimdo, Strato oder IONOS sind vor allem bei kleinen lokalen Unternehmen verbreitet. Sie sind schnell startbar und können für sehr einfache Websites ausreichen. Für Gründer, Einzelunternehmer oder sehr kleine Betriebe kann das am Anfang sinnvoll sein.
Die Grenzen zeigen sich oft später: wenn die Struktur wächst, SEO wichtiger wird, mehrere Sprachen dazukommen, spezielle Formulare gebraucht werden, Inhalte professioneller wirken sollen oder ein Relaunch ansteht. Dann ist der Wechsel von einem Baukasten auf ein flexibleres System oft aufwendiger als erwartet.
Squarespace und Webflow sind in Deutschland kleiner, aber für bestimmte Projekte interessant. Squarespace eignet sich für einfache, visuell ordentliche Marketing-Websites. Webflow ist stärker im Design- und Marketingbereich und kann sehr gute visuelle Ergebnisse liefern. Beide Systeme sind aber nicht für jedes Unternehmen die beste Wahl, besonders wenn langfristige redaktionelle Pflege, komplexe Integrationen oder sehr individuelle technische Anforderungen wichtig werden.
Für Online-Shops muss man gesondert schauen. Shopify und Shopware sind hier oft relevanter als klassische Website-CMS. Shopify ist international stark und schnell einsetzbar. Shopware ist im deutschsprachigen Raum besonders interessant, wenn ein Shop stärker an deutsche Anforderungen, B2B-Prozesse oder individuelle Strukturen angepasst werden soll.
Was heißt das für einen Relaunch?
Die CMS-Wahl sollte nicht am Anfang als Modefrage entschieden werden. Sie sollte aus dem Projekt entstehen.
Wichtige Fragen sind:
Wer pflegt die Website später?
Wie oft werden Inhalte aktualisiert?
Braucht die Website mehrere Sprachen?
Geht es nur um Sichtbarkeit oder auch um Shop, Buchung, Login oder Daten?
Wie wichtig sind SEO, Ladezeit und Struktur?
Soll das Unternehmen später unabhängig von einer Agentur arbeiten können?
Gibt es schon Inhalte, die sauber migriert werden müssen?
Viele Website-Probleme entstehen nicht, weil das falsche CMS gewählt wurde, sondern weil die Website ohne klare Struktur aufgebaut wurde. Eine gute Website braucht nicht nur ein System, sondern ein Konzept: Seitenarchitektur, Inhalte, technische Basis, mobile Darstellung, SEO-Struktur, klare Kontaktwege und saubere Pflegeprozesse.
Smartiee arbeitet deshalb nicht mit einer einzigen Lösung für alle Projekte. Für viele Unternehmenswebsites ist WordPress sinnvoll. Für schnelle, klar begrenzte Projekte können auch Builder-Lösungen passend sein. Für visuell anspruchsvolle Marketing-Seiten können Webflow oder Squarespace interessant sein. Für Shops kommen Shopify oder Shopware in Frage. Bei komplexeren Organisationen kann TYPO3 sinnvoll sein.
Entscheidend ist nicht, welches System im Trend liegt. Entscheidend ist, ob das System zur realen Arbeit des Unternehmens passt. Eine kleine Website, die gut strukturiert, schnell, verständlich und gepflegt ist, bringt oft mehr als ein großes System, das niemand im Alltag nutzt. Umgekehrt kann ein zu einfacher Baukasten ein Unternehmen später ausbremsen, wenn Inhalte, SEO, Sprachen oder Prozesse wachsen.